Anna Buchegger

Gewinnerin 2026

Die Zukunft tanzt Polka.

Wie bewertet man Musik? Wer ist besser: Sting oder Beyoncé? Wer bekommt den Grammy: Billie Eilish oder Harry Styles? 87 Punkte für Madonna oder 92 Punkte für Pharrell? Da haben wir den Salat: Musik von einer Jury bewerten zu lassen, ist wie Architekt*innen ihre Entwürfe tanzen zu lassen. Die Jury des Heimo Erbse Preises stellt sich dieser Aufgabe. Machmal dauert es bis tief in die Nacht. Nicht so dieses Jahr: da ging es schnell. Angestoßen wurde auf Anna Buchegger. 50 Konzerte hat sie für 2026 geplant – und jedes ist eine Zumutung.

Anna Buchegger mutet alten weißen Männern zu, sich eine Geschichte über alte, weiße Männer anzuhören – übergriffige Kommentare inklusive, so wie in »Z’fü«. Sie mutet uns Flecken auf der Bluse zu, ein aufgeschlagenes Knie und ihre »Maria« lächelt uns mit einem Goldzahn an. Das alles im Dialekt. Moment mal, hatten wir das nicht schon? Dialekt? Und kritische Auseinandersetzung mit der Heimat, mit Brauchtum und Bräuchen? Ja, hatten wir. Bloß nicht so frisch und so selbstbewusst. Und schon gar nicht so gekonnt: Sorry, Hubert, Wolfi und Georg: aber einen Eb7#11-Akkord braucht Anna nicht erst in der Grifftabelle nachzuschlagen. Autotune hat bei ihr sowieso Pause. Denn mit Anna als Sängerin hätte auch Ella Fitzgerald ihre Freude. Wobei, das ist ja auch schon wieder eine Zumutung: ein Popstar, der einfach mal so die ärgsten Jazzläufe raushaut.

Übrigens, Bob Dylan hat 2016 den Nobelpreis für Literatur gewonnen. Richtig, für Literatur, nicht für Musik. Diese Entscheidung ist von den Vertreter*innen der reinen Schule vernichtet worden. Man kann es nicht allen Recht machen. Das wissen wir von der Jury nur allzu gut. Danke, dass du das gar nicht erst versuchst, liebe Anna Buchegger – und herzlichen Glückwunsch zum Heimo Erbse Preis 2026!

Foto: (C) Anna Hadaier